[Rezension] Draußen – Zurück zur Natur und zu dir selbst

„Dies ist kein Buch über Therapie unter freiem Himmel, sondern darüber, wie man die Natur und die eigene Beziehung zu ihr therapeutisch nutzen kann.“

Ruth Allen in „Draussen“

Dieser Satz, der direkt in der Einleitung auftaucht, hat mich aufhorchen lassen. Die Beziehung zur Natur ist vielen Menschen mittlerweile abhanden gekommen. Absolut verständlich, wenn man eher in einer Stadt lebt, oder die meiste Zeit des Lebens in einem Büro verbringt. Doch welche Kräfte in der Natur stecken und wie sie auch in uns mobilisiert werden können, ist ein Thema, das mich spätestens seit dem Thema Waldbaden sehr fasziniert. Auch ich merke immer wieder, wie viel Kraft mir ein Spaziergang im Grünen doch geben kann.

„Draußen – Zurück zur Natur und zu dir selbst“ greift genau das und noch so viel mehr auf, was es fast zu einem Standardwerk rund um das Thema Verbundenheit von einem selbst mit der Natur macht. Es regt an, das eigene Verhältnis zur Natur zu überdenken und beim Lesen kribbelte es bereits in meinen Händen, in die Natur zu gehen und alles zu testen, was im Buch geschrieben steht.

Titel: Draußen – Zurück zur Natur und zu dir selbst

Autorin: Ruth Allen

Verlag: Knesebeck

Preis: 25,00 € (Flexicover inkl. zahlreichen Fotos)

ISBN: 978-3-95728-517-1

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Ruth Allen hat einen sehr bildhaften, fast schon poetischen Schreibstil, der dieses Sachbuch zu etwas ganz Besonderem macht. Es hat mich von Anfang an gefesselt und vor allem sehr berührt. Sie erzählt erst von ihrer eigenen Geschichte, wie sie den Halt im Leben verloren hat und durch die Natur wieder zu ihrer Ausgeglichenheit und ihrer Erdung zurückgefunden hat. Zusätzlich zu den schönen Texten, kommen noch die traumhaften Bilder. Ich habe immer wieder aufs Neue beim Aufschlagen des Buches tief durchgeatmet. Die Fotos der Natur laden zum Entspannen und Träumen ein und vermitteln genau den Eindruck, den auch der Text erreichen will: Dass die Natur ein großes Wunder ist.

Das Buch thematisiert das Thema Erdung, was ich bisher nur vom Yoga kannte. Ein schönes Prinzip, denn man fühlt sich verbundener mit der Erde und standfester im Leben. Doch es geht es auch um Bewegung, um die Stille, die in der Natur eine ganz andere ist, als in der Stadt. Um das Alleinsein, das für viele Menschen in dieser schnelllebigen und belebten Welt oft eine Herausforderung darstellt. Und um die Wildheit der Natur, wie sie in Städten gar nicht mehr vorkommt. Es gibt noch zahlreiche weitere Themen, die alle interessant geschrieben sind und zum Nachdenken anregen.

Am liebsten würde ich jedem, der nicht auf dem Land wohnt und ohnehin schon viel draußen unterwegs ist, dieses Buch zum Lesen geben. Es ist ein Augenöffner, auf eine sehr sanfte und wunderschöne Art.

[Rezension] Gullivers Reisen

Eine bekannte Geschichte ganz wundervoll illustriert.

Den Inhalt kennen bestimmt viele, ich möchte ihn hier einfach zitieren und mich dann mehr auf die Besonderheiten dieses speziellen Buches fokussieren:

„Lemuel Gulliver hat schon immer davon geträumt, die Welt zu sehen. So wird er Mediziner und heuert als Arzt auf einem Schiff an. Bei seiner ersten Schiffsreise landet er nach einem Sturm als Schiffbrüchiger auf der Insel Liliput, dem Land der Zwerge, die ihn erst einmal fesseln und gefangen nehmen. Und auch seine zweite Reise endet unglücklich und führt ihn nach einem Monsun nach Brobdingnang, dem Land der Riesen. Ihn erwarten Intrigen und Zwiste, Willkür, große Gefahren und noch mehr allerhand Absurdes. Dennoch schafft er es immer wieder, zurück in seine Heimat England zu gelangen, um dort von seinen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten.“

Titel: Gullivers Reisen

Autor: Jonathan Swift

Illustrator: Robert Ingpen

Verlag: Knesebeck Verlag

Preis: 25,00 € (Hardcover mit Schutzumschlag und farbigen Illustrationen)

ISBN: 978-3-95728-526-3

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Robert Ingpen hat diese bekannte Geschichte ganz wundervoll illustriert. Es sind die sanften Farben und Striche, die mich verzaubert haben. Die Geschichte bekommt noch weitaus mehr Tiefe. Wichtige Schlüsselmomente sind zeichnerisch dargestellt und regen dadurch auch noch die Fantasie an. Es ist nicht nur ein Buch für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die begeistert über die Zeichnungen streichen möchten. Doch insbesondere für Kinder wird dieses Buch ein großer Spaß sein, die Wellt Gullivers zu entdecken.

Das ganze Buch ist sehr hochwertig verarbeitet und liegt durch das eher breitere Format auch angenehm in den Händen. Es macht sich auch ganz toll als Geschenkbuch – oder als Sammlerstück, denn Robert Ingpen hat noch viele andere Bücher illustriert. Darunter zum Beispiel „Alice im Wunderland“, „Der Zauberer von Oz“ usw.

Wer auf der Suche nach einem schönen Geschenk oder besonderen Vorlesestunden für Kinder ist, macht mit diesem Buch alles richtig!

[Rezension] Darf ich dich jetzt behalten?

Oft planen Paare es schon weit im Voraus: Dürfen es Kinder sein, oder nicht? Wie viele? Wann passt es? Die Schwangerschaft ist, wenn gewünscht, dann ein ganz besonderes und großes Ereignis. Aber was ist, wenn es plötzlich nach einem One-Night-Stand so weit ist?

Titel: Darf ich dich jetzt behalten?

Autorin: Sophia Money-Coutts

Verlag: Penguin Verlag

Preis: 10,00 € (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-328-10451-3

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Lil lebt in einer WG, wurde erst verlassen und könnte eigentlich gerne abends, nachdem sie die ganzen kleinen Kinder von der Grundschule hinter sich gelassen hat, nur noch auf der Couch vor sich hinvegetieren. Doch ihre beste Freundin bringt sie dazu, sich endlich wieder ins Dating-Leben zu stürzen. Mit Erfolg. Sehr viel Erfolg … in vielerei Hinsicht. Denn sie lernt den berühmten Kletterer Max kennen, sie haben ein tolles Date und haben sogar genialen Sex. Als wäre es nicht schon genug, dass er sich danach einfach nicht mehr meldet, stellt Lil irgendwann plötzlich mit Erschrecken fest: Sie ist schwanger!! Sie beschließt, das Baby zu behalten und eine verrückte, lustige und hererwärmende Geschichte beginnt.

Es geht um Freundschaft, Familie und Zusammenhalt. Um zweite Chancen, neues Leben und neues Glück. Die Geschichte macht Spaß, da die Protagonistin eine etwas chaotische und liebe Person ist. Max kommt leider etwas wenig vor, doch als Kletterer, der mal hier, mal dort unterwegs ist, passt das wohl in die Geschichte. Es war ein netter Roman, für eine kurzweilige Unterhaltung. Doch leider war es stellenweise auch etwas platt. Also nichts Weltbewegendes, sondern eine schöne Geschichte für zwischendurch 🙂

[Rezension] Die Journalistin – Die Macht der Worte

Heutzutage sind viele Frauen im Journalismus beschäftigt und schreiben wunderbare Texte für Tageszeitungen, Magazine etc. Doch das war nicht immer so! Für das Spanien um 1900 war das noch undenkbar. Eine Frau, die in der Zeitung arbeitet? Aber genau das will Elisa.

Titel: Die Journalistin – Die Macht der Worte

Autorin: Mará Reig

Verlag: Goldmann

Preis: 11,00 € (Klappenbroschur)

ISBN: 978-3-442-49094-3

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Elisa kommt als kleines Mädchen zu ihrer Tante und wächst in einem vermögenden Haushalt inmitten von Madrid auf. Sie lernt mit der Zeit die Umgangsfrauen und wir zu einer richtigen Dame – dem äußeren Anschein nach zumindest. Denn in ihrem Inneren ist sie schon immer ein kleiner Rebell gewesen. Sie hat sich den Regeln ihrer Tante widersetzt und hat auch nun etwas Rebellisches vor: Sie möchte als Journalistin arbeiten! Um irgendwie Fuß zu fassen, bringt sie den Chefredakteur einer spanischen Tageszeitung dazu, sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin zu beschäftigen. Nur im Sekretariat, aber Elisa bekommt auch so einiges mit. In ihr reifen Texte, die vor Bildern und schönen Worten nur so strotzen. Doch veröffentlichen als Frau? Unmöglich! Also verwandelt sie sich kurzerhand in eine andere Person, was allerdings einige Komplikationen mit sich bringt …

Ein mitreißender Roman und ein Plädoyer fürs Schreiben

Dieser Roman hat etliche Seiten und dennoch wird es nie langweilig. Es ist ein Roman, der einen einfach in den Bann zieht. Schon nach den ersten Seiten war ich inmitten von Madrid, in den lebendigen Straßen, mit all den Düften und Geräuschen. Die Sprache der Autorin ist nicht nur angenehm, sondern ganz wunderbar, um diese Welt zum Leben zu erwecken. Elisa ist mir direkt ans Herz gewachsen. Ihre mutige Art hat mich inspiriert und zum Lachen gebracht. Ihr Charakter ist sehr facettenreich beschrieben, mit all den Widersprüchen, die jeder Mensch in sich trägt. Genau deshalb wirkt sie auch so authentisch und liebenswert.

Die Geschichte ist fesselnd und der Spannungsbogen ist ein einziges Auf und Ab. Manchmal habe ich bis spät nachts lesen müssen. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen und musste unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich konnte es kaum glauben, als dass Buch irgendwann zu Ende war, weil es gefühlt doch so schnell ging. Das offene Ende, der Spoiler, oder sagen wir eher die unfertige Geschichte, hat mich atemlos zurückgelassen und ich kann es kaum abwarten, dass es bald weitergeht. Dieses Buch ist ein Plädoyer für guten Journalismus und die Leidenschaft fürs Schreiben. Es ist ein Unikat und absolut zu empfehlen.

[Rezension] Warten auf Eliza

Wann hast du das letzte Mal ein Buch gelesen, dass dich noch lange danach sehr bewegt? So ging es mir bei „Warten auf Eliza“. Die Freundschaft zwischen zwei so unterschiedlichen Frauen, die beide mit ihrem Schicksal hadern, hat mich von Anfang an berührt.

Titel: Warten auf Eliza

Autorin: Leaf Arbuthnot

Verlag: Diana

Preis: 17,00 € (Paperback)

ISBN: 978-3-453-36081-5

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Allein sein muss nicht schlimm sein, aber einsam sein, ist es auf jeden Fall. So ergeht es Ada, die nach dem Tod ihres geliebten Mannes allein in dem gemeinsamen Haus lebt. In jeder Ecke lauert die Erinnerung auf sie, die Erinnerung an bessere, schönere Zeiten. Sie fühlt sich einsam und erkennt sich selbst nicht mehr wieder.

Dem gegenüber ist Eliza, eine junge, bisexuelle Frau, die nach einer Trennung nicht mehr zurück in ihr voriges Leben findet. Sie müht sich mit ihrem Doktor ab, kommt jedoch nicht so recht voran.

Die beiden Frauen wohnen in der gleichen Straße – die eine in einem schönen Haus, die andere in einer absoluten Bruchbude. Und doch scheint es eine Verbindung zu geben. Sie lernen sich kennen und eine ganz einmalige und wunderschöne Freundschaft entsteht.

Der Schreibstil dieses Buches ist so flüssig, so angenehm, dass ich regelmäßig an der falschen U-Bahn-Station ausgestiegen bin 😉 Ich konnte dieses Buch einfach nicht mehr aus den Händen legen und als ich es dann doch zu Ende gelesen hatte, hatte ich das Gefühl, dass mir zwei Freundinnen genommen worden sind. Zwei wunderbare Menschen, die mich vieles gelehrt haben. Über Freundschaft, über Verbundenheit, über den Kampf für ein besseres Leben und darüber, dass Jung und Alt nicht in verschiedenen Welten leben müssen.

„Warten auf Eliza“ ist eine ganz zarte, liebevolle Geschichte mit zwei Charakteren, die man sofort ins Herz schließen muss. Ich kann sie wärmstens empfehlen!

[Rezension] Das Glück läuft, wohin es will

Wer kennt es nicht – im Rücken sticht es, der Nacken zwickt und irgendwie hat man sich viel zu lange schon nicht mehr so richtig bewegt. Gerade in Home Office Zeiten passiert das immer mehr Menschen. Viele greifen dann zu ihren Laufschuhen, weil es die einfachste Art ist, rauszukommen und zeitgleich Sport zu machen, ganz ohne Gruppen oder Kurse, die durch bestimmte Auflagen wieder ausfallen könnten.

Titel: Das Glück läuft, wohin es will

Autorin: Elle Spellman

Verlag: Heyne

Preis: 10,99 € (Taschenbuch, Klappenbroschur)

ISBN: 978-3-453-42545-3

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Auch ich war mal joggen, allerdings noch vor der Pandemie. Ich hatte große Freude daran, ich habe es geliebt – und ich habe es gehasst, mich gequält. Es gibt zwei Seiten und am Ende konnte die zweite für mich überwiegen. Doch nach diesem Buch muss ich das alles gründlich überdenken.

In „Das Glück läuft wohin es will“ geht es um drei Frauen, die durch einen Zufall zueinander finden. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Vom Alter her, von der Kondition, von den Lebensumständen. Und dennoch gibt es eine Sache, die alle verbindet: Das Laufen – oder zumindest der Wunsch danach zu laufen. Während Hannah von ihrem Mann nach Jahrzehnten Ehe verlassen wurde und mit sich hadert, kämpft Cassie mit den Erwartungen anderer Kinder zu bekommen. Und die dritte im Bunde, Malika, schafft es nicht, den Tod ihrer sehr guten Freundin zu verarbeiten. Hannah und Malika melden sich einem Impuls folgend (oder auch den verrückten Gedanken nach zu viel Wein folgend … ) bei einem Marathon an, ohne auch nur einmal Joggen gewesen zu sein. Sie müssen an ihre Grenzen gehen, trainieren, an sich glauben – und Cassie hilft ihnen dabei.

Es ist eine Geschichte über die Liebe zum Joggen, zum Sport, aber vor allem über eine tiefe Freundschaft, die auch schwierige Situationen übersteht. De Autorin hat es geschafft, das Buch in einem lockeren, heiteren Schreibstil zu schreiben, ohne dass dabei die Ernsthaftigkeit verloren geht. Immer wieder musste ich lachen, immer wieder habe ich gestaunt, wie mutig diese Frauen doch sind.

„Das Glück läuft, wohin es will“ ist ein motivierendes Buch für alle, die laufen möchten, oder es bereits tun. UND für alle, die damit eigentlich gar nichts am Hut haben, aber ganz generell über große Träume und den dafür nötigen Mut lesen wollen.

[Rezension] Ostseefunkeln

Emotionen wollen gefühlt und ausgelebt werden. Ansonsten bahnen sie sich einfach irgendwann unkontrolliert ihren Weg nach oben. Wie Luftballons, die man versucht unter Wasser zu drücken. Irgendwann kann man alle Ballons, die sich mit der Zeit angesammelt haben, einfach nicht mehr unter Dach und Fach halten – sie ploppen nach oben, zur Wasseroberfläche.

Titel: Ostseefunkeln

Autorin: Marie Merburg

Verlag: Lübbe

Preis: 11,00 € (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-404-18365-4

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Laura ist so ein Mensch, der versucht alles unter Kontrolle zu haben. Gerade die Gefühle. Als ihre Eltern in frühen Kindesalter verunglückt sind, hat sie ihre Tränen irgendwann gestoppt und tief in sich verstaut. So, wie auch viele andere Gefühle. Ihr neuer Fokus war die Karriere und sie hatte irgendwann eigentlich alles, was sie sich gewünscht hatte: tolle Wohnung, tolle Karriere und einen Freund. Doch dann erwischt sie ihren Verlobten im Bett mit ihrer besten Freundin und ihre Sicherungen brennen durch. Um ihre Wunden zu lecken und wieder etwas herunterzukommen, quartiert sie sich bei ihrer Tante Gerti ein. Inmitten der wunderschönen Landschaft von Rügen, kommt sie nicht nur ihrer Tante, sondern auch deren Nachbarn immer näher …

„Ostseefunkeln“ von Marie Merburg gehört zu einer Rügen-Reihe. Da ich das zuvor gar nicht wusste, als mir dieses Buch in die Hände gefallen ist, kann ich versichern: ihr müsste keinen der anderen Bücher gelesen haben, sie sind alle in sich abgeschlossen. Die Geschichte von Laura hat mir so gut gefallen, dass ich mir gleich ein weiteres Buch der Reihe gekauft habe 😉

Tante Gerti ist ein sehr spezieller, aber herzensguter Mensch und Laura das extreme Gegenteil: etwas kalt und viel zu strukturiert. Es ist schön mitzuerleben, wie Laura immer mehr auftaut und sich selbst, vor allem ihre Gefühle, neu entdeckt. Allen voran war das Buch jedoch einfach immer wieder herrlich witzig und hat für einige Lacher gesorgt. Natürlich ist die Geschichte etwas vorhersehbar, aber genau das hatte ich gesucht, als ich einen Ostsee-Roman ausgewählt habe: eine ordentliche Prise Liebe, ganz viel Meer und eine witzige und schöne Geschichte. All das findet man in „Ostseefunkeln“ auf jeden Fall!

[Rezension] Der Zopf

Nachdem ich mit stiller, aber großer Begeisterung „Das Haus der Frauen“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt auch das Debüt der Autorin Laetitia Colombani lesen, das den Namen „Der Zopf“ trägt. Laetitia Colombani scheint eine Vorliebe für starke Frauen zu haben, das hat sie in ihrem zweiten Roman bewiesen, bei dem es ebenfalls um die Schicksale verschiedener Frauen geht. Aber zurück zum Debüt: Auch wenn sich über das knallige Türkis streiten lässt, so gefällt mir das Cover wirklich sehr gut. Die vergoldeten Ecken und Blumen lassen es besonders wirken. Und das ist dieses Buch in der Tat.

Titel: Der Zopf

Autorin: Laetitia Colombani

Verlag: S. Fischer Verlage

Preis: 11,00 € (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-596-52266-8

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Da es sich um einen SPIEGEL-Bestseller-Roman handelt, wurde er schon zur Genüge besprochen. Aber vielleicht ist jemanden dieser Titel ja dennoch entfallen, immerhin erschien er bereits 2019. Also habe ich mich dazu entschlossen, ihn dennoch hier auf LYREBIRD zu rezensieren.

In „Der Zopf“ werden drei Geschichten wie ein Zopf miteinander verflochten. Es geht um drei Frauen, die auf drei Kontinenten ganz unterschiedliche Leben führen. Smita ist eine „Unberührbare“ aus Indien, die von der Gesellschaft verstoßen und verächtet wird. Giulia kämpft in Sizilien um den Erhalt der Perückenfabrik ihres Vaters. Anwältin Sarah aus Montreal erfährt kurz vor dem Höhepunkt ihrer hart erkämpften Karriere von ihrer Krebserkrankung.

Auf den ersten Blick scheinen diese drei Geschichten nichts miteinander zu tun zu haben. Dies ist auch fast das gesamte Buch über der Fall. Doch erst gegen Ende lässt sich erkennen, was die Lebenswege dieser drei besonderen Frauen zueinander führt.

Im Buch wird immer wieder zwischen den Geschichten der Frauen gewechselt, aber ohne dass dabei Chaos entsteht. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es ein sehr unaufregender Roman ist, sehr ruhig von der Sprache her, aber mit sehr kraftvollen Worten und einem umso kraftvollerem Ende. Es hat mich sehr ergriffen das Leid der Frauen kennenzulernen. So unterschiedlich sie auch sind: jede hat mit etwas anderem zu kämpfen und jede ist für sich unglaublich stark. Ich denke auch, dass dies diesen Roman zu einem Bestseller hat werden lassen. „Der Zopf“ ruft zu innerer Stärke auf und ist eine Erinnerung daran, wie viel in uns steckt, wenn wir nur fest daran glauben.

Titelbild Rezension Bretonischer Zitronenzauber

[Rezension] Bretonischer Zitronenzauber

In manchen Familien ist der Stammbaum sehr deutlich und eigentlich jedem Familienmitglied klar. Doch es gibt auch andere, die voller Geheimnisse sind. Mona aus „Betronischer Zitronenzauber“ stammt aus so einer Familie.

Titel: Bretonischer Zitronenzauber

Autorin: Hannah Luis

Verlag: Heyne

Preis: 9,99€ (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-453-42482-1

Erschienen: 13.04.2021

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Als Monas Oma Fine gestorben ist, bleibt ihr nur noch ihre Mutter. Beim Ausmisten von Fines Dachboden stößt Mona dann jedoch auf Erinnerung von ihrer Urgroßmutter Helene und damit auf große Fragezeichen. Was hat es mit dem Rezept der „Cehes Zitronentarte“ auf sich und was ist damals in der Bretagne passiert, als ihre Urgroßmutter Helene mit einem Kind zurückkam und kein Wort über den Vater verloren hat? Mona sieht ein großes Rätsel vor ihr und hofft auf eine Spur zu ihrem Urgroßvater, den sie nie kennengelernt hat.

Ihre Reise führt sie einen kleinen Ort in der Bretagne, wo sie kurzerhand einen mürrischen Reisebegleiter bekommt. Doch mit der Zeit beginnt seine Mauer zu bröckeln und sie lernt nicht nur die malerische Landschaft der Bretagne besser kennen, sondern auch ihn und seine weichen Seiten…

Dieser Roman macht Lust auf Urlaub in der Bretagne. Die Landschaft wird so treffend und zauberhaft beschrieben, dass ich zu jeder Zeit im Buch die Orte in den schillerndsten Farben vor meinem inneren Auge gesehen habe. Die Liebesgeschichte, die sich im Buch zaghaft entwickelt, ist zwar abzusehen, aber die Recherche nach den Familiengeheimnissen sorgen für genug Spannung. Alle Personen, die ich im Laufe des Buches kennenlernen durfte, sind mir sofort ans Herz gewachsen und gerade Mona, der kleine Sonnenschein, ist mir direkt sympathisch gewesen. Ihr innere Zerrissenheit ist immer nachvollziehbar und macht sie noch nahbarer.

Oma Fina hätte ich so gerne persönlich kennengelernt, denn ihre Einstellung zum Leben ist bemerkenswert. Die Ratschläge, die Mona im Laufe ihrer Reise immer wieder einfallen, musste ich mir sogar notieren, so wertvoll und wahr waren sie doch immer.

Dieser Roman hat einfach Spaß gemacht, hat mich mitfiebern und glucksen lassen und hat mich vor allem mit einem großen Gefühl zurückgelassen: der Sehnsucht nach einer spontanen Reise voller Abenteuer, am besten in der Bretagne!

P.S. Rezepte zur geheimnisumwobenden Zitronentarte und auch anderen bretonischen Leckereien gibt es im Buch auch noch.

[Rezension] Die Douglas Schwestern

Heutzutage findet man in vielen Geschäften Parfums. Doch das war nicht immer so. Um 1900 / 1910 herum galten Parfums noch als verpöhnt und Geschäfte waren rar. In dieser Zeit spielt sich der wundervolle Roman „Die Douglas Schwestern“.

Maria lernt in Kindesjahren eine Frau kennen, die sie das erste Mal in die Welt der Parfümerie führt. Maria ist sofort hin und weg. Sie beschließt noch am gleichen Abend gemeinsam mit ihrer Schwester Anna, dass sie irgendwann unbedingt eine Parfümerie eröffnen müssen. Erst später, als sie junge Erwachsene sind, fällt ihnen dieser Traum wieder ein und sie beginnen mit der Planung. Doch die 1910er Jahre sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass die Frauen an Selbstständigkeit gewinnen. Und so haben sie mit größeren und kleineren Herausforderungen zu kämpfen, um ihren Wunsch von der eigenen Parfümerie zu verwirklichen.

Titel: Die Douglas Schwestern

Autorin: Charlotte Jacobi

Verlag: Piper (klick)

ISBN: 978-3-492-31647-7

Preis: 10,00 € (Klappenbroschur)

Dieses Buch verzaubert. Ich habe mich schon in den ersten Seiten in den Schreibstil verliebt. Die Wortwahl ist gekonnt, die Sätze malerisch und einfach schön. Noch dazu lassen die Beschreibungen die Düfte der Parfums auch im eigenen Zimmer auftauchen und machen Lust darauf, selber mal wieder ein neues Parfum aufzulegen.

Die Geschichte der zwei Mädchen hat mich sehr berührt. Sie haben Schicksalsschläge zu verkraften, müssen sich gegen eine Welt behaupten, die noch nicht soweit ist, Frauen Unternehmen gründen zu lassen und setzen sich dennoch durch. Ich habe es geliebt, gemeinsam mit ihnen nach Frankreich zu reisen, oder die ersten Schritte in der eigenen Parfümerie zu gehen. Es war einfach eine ganz wundervolle Reise in die Vergangenheit und ich habe „Die Douglas Schwestern“ nicht mehr aus den Händen legen können. Noch dazu waren mir Maria und Annasehr sympathisch. Sie wirkten authentisch und waren, jede auf ihre eigene Art, liebenswert.

An sich sind die Figuren, meiner Meinung nach, sehr genau gezeichnet. Jede hat einen besonderen Charakter und selbst Nebenpersonen sind vor meinem inneren Auge erschienen, als würde ich einen Film schauen.

Besonders interessiert wird es, weil die Perspektiven und Orte immer wieder wechseln – aber ohne, dass man den Überblick verliert. Es ist stets eindeutig, wo man sich befindet und es kam mir so vor, als wäre die Sprache sogar je nach Ort etwas anders. In Frankreich war sie voller Bilder und malerisch – zurück in Hamburg weniger ausschweifend. Das hat für mich so perfekt gepasst.

Ich könnte wohl noch lange über dieses Buch schwärmen, aber in einem Satz: Ihr müsst es unbedingt lesen!